Mittelalter
Schon vierzig Jahre nach seiner Gründung erreichte das Stift Neustift unter dem Propst Konrad II. von Rodank (1178-1200) seine erste kulturelle Blüte. Nach der schweren Feuersbrunst des 17. April 1190 baute der besonders auf künstlerischem und wissen-schaftlichem Gebiet bewanderte Konrad die gesamte Klosteranlage in kürzester Zeit wieder auf, so dass die Stiftskirche schon 1198 neu geweiht werden konnte.
1221 erhielt Neustift das Patronatsrecht über die Pfarrei Olang. Die Inkorporation der Pfarrei Völs am Schlern erfolgte 1257, und die Pfarrei Assling wurde 1261 dem Stift übergeben.
Eine Zeit der höchsten Blüte stellten für Neustift das 15. und der Beginn des 16. Jahr-hunderts dar. Ein beredtes Zeugnis legen hierfür die prachtvollen Altäre ab, welche in dieser Zeit für die Stiftskirche entstanden, die selbst um den eindrucksvollen, spätgot-ischen Hallenchor mit seinem charakteristischen, steil aufragenden Dach bereichert wurde. Bedeutende Künstler wie der Meister von Uttenheim, Michael und Friedrich Pacher oder Max Reichlich arbeiteten für die Chorherren, die besonders unter Friedrich Zollner und Stephan Stettner selbst eine leistungsfähige Schreibstube unterhielten. Auch die Pflege des Choralgesangs während der Liturgie hatte ein sehr hohes Niveau erreicht.
Diese hervorragenden künstlerischen und kulturellen Leistungen wurden von einer Chor-herrengemeinschaft getragen, die auch am Vorabend der Reformation noch nicht ihre spirituelle Kraft verloren hatte. So notierte im Jahre 1483 der Dominikanerpater Felix Faber in seinen Reiseerinnerungen anerkennend über Neustift: "Es besitzt eine große Kirche mit kostbaren Ornaten und eine gute Bücherei. Es sind dort gereifte und ehr-erbietige Männer und ich glaube, dass ich nie einen genaueren und besseren Chorgesang als in diesem Kloster gehört habe."