Vorwort zur neuen Programmzeitung - von Altpropst Dr. Chrysostomus Giner

Aller Anfang ist schwer
 Die 1960er-Jahre brachten auch innerkirchliche UmbrĂŒche. Wir bekamen dies auch im Stift Neustift stark zu spĂŒren. Die ĂŒber Jahrzehnte gepflegte schulische TĂ€tigkeit konnte in Anbetracht des nachlassenden Nachwuchses und der mit dieser Zeit verbundenen Austrittswelle realistischerweise nicht mehr wie bisher aufrecht erhalten werden; zudem verstĂ€rkte sich der Blick auf die Bedeutung der pastoralen TĂ€tigkeit unserer Gemeinschaft: die Seelsorge in den uns anvertrauten Pfarreien ist ein wesentlicher Bestandteil  unseres Lebens als Ordenspriester.

Im Blick auf die letztlich jahrhundertelang ausgeĂŒbten Aufgaben im Bildungsbereich kam es zu Überlegungen in Richtung „ Erwachsenenbildung“. Dies fĂŒhrte zur Reduzierung des bisherigen Schulbetriebs bzw. SchĂŒlerheims. Der Gymnasialunterricht wurde aufgegeben, die SchĂŒlerzahl auf knapp hundert gesenkt und die nunmehrige Mittelschule verstaatlicht und einer grĂ¶ĂŸeren Brixner Schule angeschlossen; zugleich entstand die Möglichkeit, dass OberschĂŒler von hier aus eine entsprechende höhere Schule in Brixen besuchten. Das SchĂŒlerheim blieb ausschließlich in unserer Hand.

All das geschah nicht ohne WidersprĂŒche, nicht zuletzt auch von Seiten des Landes.

So kam es 1970 schließlich zur GrĂŒndung eines Hauses fĂŒr Erwachsenenbildung. Als Arbeitsschwerpunkt zeichnete sich schon bald die Tourismuspastoral ab. Es sollte die Aufgabe eines solchen Studien- und Ausbildungszentrums sein, die mit dem Fremdenverkehr verbundenen pastoralen Probleme zu studieren, geeignete Methoden fĂŒr diesen Bereich moderner Seelsorge zu erarbeiten, durch entsprechende Kurse und Tagungen Priester und Laien zu befĂ€higen, den Anforderungen des neuzeitlichen Fremdenverkehrs in pastoraler Hinsicht nachkommen zu können.

So organisierten wir Grund- und Aufbaukurse fĂŒr Seelsorger in Urlaubsorten mit Sommer- und Wintertourismus. Neben dem eigenen Land gab es vor allem eine Zusammenarbeit mit Nordtirol, Salzburg und KĂ€rnten. Es folgten Bildungstage fĂŒr Hoteliers und Gastwirte, vor allem auch mit deren Angestellten, Kurse fĂŒr Urlaubsberater, Werbeverantwortliche, Reiseleiter, Vermieter usw. bis hin zu ExpertengesprĂ€chen und Symposien zu Grundsatzfragen des Fremdenverkehrs. Daraus ergab sich eine besondere Mitarbeit in den nationalen Arbeitskreisen fĂŒr Tourismuspastoral, wobei wir uns bemĂŒhten das „Tourismuszentrum Neustift“ zum Bezugspunkt vor allem fĂŒr den deutschsprachigen Raum zu machen. Dies verlangte natĂŒrlich auch den Kontakt zu den Bischofskonferenzen. Österreich war mir durch die vorangegangenen Jahre im Dienste des „Kathol. Jugendwerks Österreich“ vertraut. Bei meinem „Antrittsbesuch“ in Deutschland (MĂŒnchen) vermutete man gleich einen finanziellen Bittsteller (Kard. Döpfner: „Haben Sie entsprechende Fachleute?“ – Nein – „Dann werden Sie in einem Jahr ,fallieren‘!“). Die Schweiz zeigte sich freundlich interessiert (obwohl mein Gesuch in Chur durch hunderte Schweizer Rindviecher am Ofenpass beinahe boykottiert wurde). Besonderen Wert legte ich auf die Information der zustĂ€ndigen Stelle im Vatikan (Erzbischof Clarizio). Zudem hatten wir auch Kontakt zur evangelischen Akademie Tutzing in Bayern.

Aber ĂŒber alle Überlegungen und Absichten hinweg, bedurfte es vor allem der materiellen Seite: VortragsrĂ€ume, UnterkĂŒnfte, gastronomische Einrichtungen, FreizeitrĂ€ume usw. Vorerst wurden Tagungsteilnehmer außerhalb des Hauses untergebracht. Bald entstanden eigene PlĂ€ne, vor allem fĂŒr die notwendigen Zimmer, die wegen der extremen Höhe besonders problematisch waren. Ein Innsbrucker Architekt fand eine plausible Lösung. Die Verkleinerung des SchĂŒlerheims schuf neue Möglichkeiten, vor allem attraktive RĂ€ume. Aber woher sollte das fĂŒr solche Umbauten notwendige Geld kommen? Ein guter Kontakt zum (roten) österreichischen Finanzminister Androsch brachte die Zusage ĂŒber mehr als die HĂ€lfte des mehrfachen Millionenbetrages (österreichische Schilling)! FĂŒr den „Rest“ konnte die Tiroler Landesregierung gewonnen werden (Die Ausbezahlung der Summe wurde dann allerdings ĂŒber viele Jahre „vergessen“!). Die Antwort unseres Landeshauptmannes Magnago: „Wenn die Daitschn so eppans welln, dann solln sie’s a bezohln!“ So konnten vorerst nur die wichtigsten Bereiche eingerichtet werden. Aber wir begannen bald mit verschiedenen Kursen und Tagungen, wenngleich die vom Kirchenrecht angeblich erforderte offizielle Errichtung eines solchen Pastoralzentrums dem Diözesanbischof vorbehalten war und diese erst viel spĂ€ter erfolgte (1972).

Die Jahre vergingen; das Bildungshaus wurde vielseitig angenommen. Zu den diversen Kursen und auch Gasttagungen von anderen Einrichtungen kamen die neuen Anliegen der Computertechnik (Computerzentrum) und nach weiteren Ausbauten und von Skepsis geprÀgten Diskussionen widmeten wir uns verstÀrkt dem Anliegen, die Hl. Schrift den GlÀubigen nÀherzubringen (Bibelzentrum).

Im Laufe der Zeit summierten sich die verschiedenen Tagungen und ihre Vielfalt wuchs. Manches von den einst angepeilten Zielen wurde erreicht, andere Aspekte haben sich verschoben; so manches hat sich geĂ€ndert. Es bedarf stets neuer Überlegungen, wobei es vor allem darum geht, die RealitĂ€ten des tĂ€glichen Lebens im Auge zu behalten und daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Dr. Chrysostomus Giner

Altpropst und GrĂŒnder des Bildungshauses Kloster Neustift

   Chrysostomus