Das gegenwärtige lineare Wirtschaftsmodell hat im vergangenen Jahrhundert eine Reihe von Problemen erzeugt (z.B. Ressourcenverbrauch, Klimawandel, Reduktion der Artenvielfalt), deren Lösung auf nachfolgende Generationen verschoben wurde. Ein „business as usual“ führt in absehbarer Zeit zu existentiellen Krisen. Der Übergang zu einer Circular Economy stellt einen Lösungsansatz dar, der seit Jahrzehnten (vgl. Club of Rome) diskutiert und gegenwärtig verstärkt politische Relevanz bekommt. 2015 verabschiedete die EU einen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft zur Reduktion von Müll, Emissionen und Ressourcenverbrauch sowie zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen mit Schaffung einer Vielzahl neuer Arbeitsplätze.

Eine zirkuläre Wertschöpfung beinhaltet eine radikale Neubetrachtung der Beziehungen zwischen Märkten, Kunden und natürlichen Ressourcen. Nicht nur kann grundlegenden Bedrohungen begegnet werden (vgl. Verringerung des ökologischen Fußabdrucks), es eröffnen sich für Unternehmen zudem große Chancen. Eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch bietet in Zeiten von Versorgungseinbrüchen und volatiler Rohstoffpreise Sicherheit und Unabhängigkeit. Eine Ausweitung der betrieblichen Wertschöpfungskette über Produktion und Verkauf hinaus zu Verwendung und Rücknahme (vgl. „reverse logistics“) steigert den Kundennutzen und eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten.

Große Bedeutung haben in den letzten Jahren Sharing-Konzepte erlangt, wobei die Kapazität bestehender Privatressourcen auf Grund der Nutzung durch mehrere Personen besser ausgenutzt wird (vgl. AirBnB). Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch „Product-as-a-Service“ Konzepte. Produkte werden nicht an den Kunden verkauft, sondern bleiben im Eigentum des Herstellers. Der Kunde darf sie gegen Gebühr temporär nutzen. Dieses Geschäftsmodell ist aus dem Immobilien- und Fahrzeugbereich als Miet-/Leih-/Leasingkonzept seit Jahrzehnten bekannt und wird nun auf eine steigende Anzahl anderer Angebote mit anderen Schwerpunkten ausgeweitet.

So ist das niederländische Unternehmen Phillips verantwortlich für die Beleuchtung am Flughafen Amsterdam (Stichwort: Betreibermodell). Im Rahmen einer Service-Level-Vereinbarung garantiert Phillips die Beleuchtung und wird dafür bezahlt. Alle Hardware ist im Eigentum von Phillips. Das Unternehmen ist auf diese Weise bemüht, dass die Beleuchtung möglichst ausfallfrei und lange funktioniert und auch wenig Energie verbraucht, da dies den Gewinn es Unternehmens senken würde. Auch ist Phillips an einer Wiederverwendung (z.B. durch Reparatur) bzw. Wiederverwertung (z.B. Einsatz bestehender Bauteile in neuen Leuchten) interessiert, um Kosten zu sparen, Aktionen, die fester Bestandteil einer Zirkulären Wertschöpfung sind.

 

von Prof. Dr. Dominik Walcher, Referent des Master-Lehrganges “Management und Unternehmensführung”