Neues Lernen, innovative Formen, für die Zukunft gerüstet - ein Interview mt Manfred Schweigkofler

Sie sind der Verantwortliche des WeQ Institutes Berlin für Italien. Was genau ist die Absicht dieser Bewegung? 

Das WeQ Institut Berlin ist eine Art Zukunftsforschungsinstitut, das großartige Denker, Vorreiter, Pioniere aus Bildung, Forschung, Wirtschaft sammelt und vernetzt und den WeQ-Gedanken erforschen, aufarbeiten und verbreiten will. WeQ steht für den Wir-Quotienten (im Gegensatz zum Ich-Quotienten IQ). Die Welt ist zu komplex geworden für Einzelne, wir brauchen die kollektive Wir-Intelligenz, um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können. Wir brauchen mehr funktionierende Eco-Systeme und weniger Ego-Systeme. Das WeQ Institute macht sich aktuell aber auch viele Gedanken, welche Future Skills wir in Zukunft brauchen werden, d.h. was werden wir denn können müssen, um zukunftsfit zu werden, individuell, in der Schule, in der Arbeit, in der Wirtschaft. Bildung ist eines unserer Kerngebiete; nicht umsonst sitzen im WeQ-Vorstand auch die großen Schulinnovatoren der letzten Jahren, wie der Gehirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther, die „Schule im Aufbruch“- Gestalterin Margaret Rasfeld, der WeQ-„Entdecker“ Peter Spiegel und viele andere erfrischende Denker unserer Zeit.

Es ist also eine internationale Bewegung, die nun auch in Italien Fuß fassen möchte. Was können wir für Südtirol daraus lernen?

Das WeQ-Institut ist weltweit mit den Denkern unserer Zeit vernetzt, vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus bis zum Systemphilosophen Ervin Laszlo. Alle großen Köpfe sind sich einig, dass wir jetzt gut die Weichen für eine bessere und nachhaltigere Welt nach Corona legen müssen. Wir brauchen z.B. neue Modelle für die Wirtschaft, wo ökonomische Aspekte in Einklang gebracht werden mit ökologischen und sozialen. Frieden kann es nur geben, wenn auch die sozialen Fragen angegangen werden.

Die Arbeitswelt verändert sich z.B. radikal. Da geht es ja nicht nur um Home-Office, da wird es darum gehen, Kooperation und Kollaboration im WeQ-Sinne gegen den bisherigen Konkurrenzmodus zu etablieren. Weil Unternehmen sonst in einer digitalisierten, globalisierten, robotisierten Welt keine Chance mehr haben.

Wir brauchen in dieser neuen Welt auch eine neue Schule. Die Schule als Ort der reinen Wissensvermittlung ist im Zeitalter der digitalen und künstlichen Intelligenz obsolet geworden. Auch den Lehrer als Wissensvermittler braucht es in dieser Form nicht mehr, Wissen steht ja im Netz unbegrenzt zur Verfügung. Wir brauchen eine neue Rolle für die Erzieher: Lernbegleiter und Lerncoaches, die helfen, Lernen, Arbeiten, Leben zu lernen; Potentialentfalter. Auch über die Inhalte, die Fächer, die Bewertungen müssen wir uns neue Gedanken machen; es kann doch nicht sein, dass wir eine Schule haben, die Lehrer, Schüler und Eltern frustriert und die Wirtschaft dann fragt: „Was schickt ihr uns denn da für Leute?“

Im Sommer wird sich dann eine Woche lang alles um diese Veränderungen im Bildungswesen drehen. Die „Sommer Academy Neustift“ ist als „innovativer Bildungsgipfel“ ausgeschrieben. Was bedeutet das?

Wir haben viele Schulinnovatoren eingeladen, uns die neuesten Modelle, Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Welt der Bildung und Erziehung zu präsentieren und in einen Dialog mit den Lehrern und Bildungsinteressierten aus Südtirol zu treten. Die große Frage ist doch – ich zitiere hier Prof. Sauter -: „Wie bereiten wir junge Menschen auf Herausforderungen vor, die gegenwärtig noch nicht existieren,  auf die sinnvolle Nutzung von Technologien, die noch gar nicht entwickelt sind, und auf die Lösung von Problemen, von denen wir heute noch nicht wissen, dass sie entstehen werden?“ Darum geht es. Wie könnte eine Schule aussehen, die Spaß macht, kreativ und innovativ und zugleich sinnstiftend ist, sich z.B. mit der Zukunft des Planeten beschäftigt, indem sie z.B. die Sustainable Development Goals thematisiert. Braucht es nicht endlich Fächer wie „Verantwortung“, „Initiative“, „Selbstbewusstsein“? Dürfen wir nicht endlich neue Formen des Lernens auch in der Schule anwenden? Müssen wir immer noch rigiden Lehrplänen und stupidem Notendruck hinterherhecheln oder gestalten wir eine Schule, die tatsächlich nachhaltig ist?

Für welche Zielgruppe sind diese Veranstaltungen zum WeQ-Learning besonders geeignet?

In erster Linie natürlich Lehrer und Erzieher, aber auch alle Bildungsinteressierten und alle, die an der WeQ-Gedankenwelt interessiert sind. Wir sind ja die erste Generation des neuen Jahrtausends und keine Generation vor uns war mit so drastischen Veränderungen konfrontiert. Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant, die gesellschaftliche Herausforderungen werden extrem komplex und dynamisch. Wir brauchen einen hoch entwickelten WeQ, damit wir das alles gut meistern können.

Danke für das Interview!

FREI DAY for future – Was ist das?

EduAction 2.1 – eine internationale und innovative Sommer Academy in Neustift