Die Suche nach Transzendenz und der Wunsch, dem eigenen Leben Sinn und Tiefe zu geben, sind in unserer Gesellschaft ungebrochen stark, und zwar trotz oder gerade wegen der Hektik, der hohen Anforderungen in Beruf und Familie sowie der schnellen Weiterentwicklungen. Dass viele Menschen sich danach sehnen, Gott bei den Höhen und Tiefen des Alltags an der Seite zu spĂŒren, Konflikte ehrlich und fair zu lösen, sowie echte spirituelle Nahrung suchen, ist deutlich spĂŒrbar. Geistliche Ratgeber, Exerzitien
und andere kirchliche Angebote sind vorhanden, bleiben aber oft ungenutzt, wÀhrend der
esoterische Markt boomt. Was benötigen Christ(inn)en unserer Zeit? Warum scheinen asiatische Religionen, Esoterik, Wunderheilungen etc. erfolgsversprechender und attraktiver als der Reichtum der eigenen christlichen Tradition?

Gott ist immer da! Diese Wahrheit ist schlicht und entschwindet doch so leicht unserem Bewusstsein. Vielleicht geht es uns bei der Bibel als Quelle unseres Glaubens Ă€hnlich. Es ist nicht so, dass die Gottesbegegnungen und RatschlĂ€ge der biblischen MĂ€nner und Frauen keinen Wert oder keine Aussagekraft fĂŒr unsere heutige Zeit hĂ€tten, im Gegenteil. Der Hl. Schrift ist keine menschliche Erfahrung fremd. Sie weiß um Leid, Schmerz und Verzweiflung, aber auch um Freude, Hoffnung sowie Zuversicht und sie bezeugt den tiefsten Grund und das letzte Ziel allen Seins: Gott. Doch der Schatz der Bibel mit ihrer heilsamen, Vertrauen, Mut und Gelassenheit schenkenden Botschaft, die uns stĂ€rken und beleben könnte, ist von einer harten Schale umgeben, verschlossen, und wir finden nur schwer Zugang zur sĂ€ttigenden Nahrung im Inneren. Es gilt, geistliche „Nussknacker(innen)“ zu werden und kreativ die alte Weisheit neu zu entdecken.

Wir können in unserer Arbeit mit ihren Schwierigkeiten auf Jesus Christus bauen. Er ist es, der uns trĂ€gt und unser Wirken segnet. Die Frage ist, wie Gott uns in den mĂŒhevollen TĂ€tigkeiten, also mitten im Tun, begegnen kann. Denn der Alltag – oftmals der ganz normale Wahnsinn – ist von stĂ€ndig wachsenden Anforderungen und Stress meist minutiös durchgetaktet. Es scheint schwer, ja oftmals unmöglich, aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Die französische Mystikerin Madeleine DelbrĂȘl rĂ€t zu „Tiefenbohrungen“
im Alltag. Wann immer das Leben oder die Arbeit uns eine Pause schenken, könnte man diese Zeit fĂŒr ein kurzes ZwiegesprĂ€ch mit Gott nutzen: wenn wir frĂŒhmorgens die Kaffeemaschine einschalten, in der Supermarktschlange warten oder am Kopierer stehen. Was hĂ€lt uns davon ab, kurz Blickkontakt mit Jesus Christus aufzunehmen? Das schließt natĂŒrlich nicht aus, dass jeder Mensch auch Zeiten braucht, die fĂŒr das Gebet, die Entspannung und das Nichtstun reserviert sind. Klar ist jedenfalls, dass Gott uns mitten im Alltag ĂŒberraschen will. Zusammen mit ihm dĂŒrfen wir darauf vertrauen, große HĂŒrden zu schaffen. Er liebt Teamarbeit!

Im Rahmen der Veranstaltungen aus dem Bereich „Bibel und Glaube“ möchten wir Menschen aller Altersgruppen bei ihren beruflichen und privaten Herausforderungen begleiten und ihnen die vielfĂ€ltigen Traditionen des christlichen Glaubens nĂ€herbringen.
Mit dem bereichsĂŒbergreifenden Angebot „In der Schule berĂŒhmter Christinnen“ etwa versuchen wir, Frauen spirituelle Tools fĂŒr ihren Beruf und ihren Alltag zu vermitteln. In regelmĂ€ĂŸigen Glaubensvertiefungsseminaren beschĂ€ftigen wir uns mit den Grundthemen des Christentums. In der Austauschgruppe „Ziel: Gott“ wollen wir Frauen in ihren Glaubensfragen unterstĂŒtzen und uns Zeit fĂŒr die Pflege unserer Gottesbeziehung
nehmen.

Bei diesen prozessorientiert angelegten Veranstaltungen ist es uns ein Anliegen, keine „(fixen) Patentrezepte“ anzubieten, sondern gemeinsam kritisch, ehrlich und hoffnungsvoll zu suchen, zu fragen und zu finden, um dann gestĂ€rkt und voller Zuversicht
unser Leben mit unseren Lieben, Gott und der Bibel zu genießen.

Sr. Dr.in Anna Elisabeth Rifeser,
Theologin, Tertiarschwester des hl. Franziskus