Interview mit Gerhard Almbauer, Künstler und Gründer der Kunstakademie Kloster Neustift

1. Wie kam es zur Gründung der Kunstakademie Kloster Neustift?

Ich hatte eine Ausstellung mit meinen Werken in der Hofgalerie in Graz. Diese schöne Galerie ist angeschlossen an das Bildungshaus Steiermarkhof. Der künstlerische Leiter Hans Baumgartner bat mich, eine Einführung in meine Ausstellung zu geben und dabei lernte ich Andreas Wild, den ehemaligen Leiter des Bildungshauses Kloster Neustift kennen. Er animierte mich, eine Kunstakademie in den Räumlichkeiten des Klosters Neustift zu installieren, da ich schon viel Wissen und Erfahrung von meiner eigenen Malschule in Wien hatte. Ich gründete mit Michaela Schützenhöfer 2007 die Kunstfabrik Wien, die ich bis 2018 leitete. Die Kunstfabrik Wien besteht bis heute, ist in einem historischen Gebäude einer ehemaligen Malzfabrik untergebracht und hat an die 1000 Seminarteilnehmer jährlich.

2. Wie sehen Sie die Entwicklung der Kunstakademien im deutschsprachigen Raum in den vergangenen Jahren? Woher stammt die erhöhte Nachfrage an Malseminaren und künstlerischer Weiterbildung?

Die Entwicklung diverser Kunstakademien im deutschsprachigen Raum sehe ich nicht so rosig. Es entstanden in den letzten Jahren fast inflationär zahlreiche Einrichtungen ähnlicher Ausrichtung, aber der „Kuchen“ von Interessierten wird nicht größer. Das heißt, ich denke nur Einrichtungen in großen Städten, mit viel Umfeld, oder Malschulen wie die im Kloster Neustift haben Überlebenschancen, da sie in historisch und kunsthistorisch einzigartigen Anlagen eingebettet sind. Außerdem ist im Kloster die Infrastruktur hervorragend – historischer Malraum in der gotischen Mühle des Klosters, Übernachtungsmöglichkeiten und hervorragendes Essen im Kloster, Parkplätze, sehr gute Verwaltung etc.

3. Was macht die Kunstakademie in Neustift so besonders?

Neben den oben genannten infrastrukturellen Einrichtungen muss natürlich auch das Programm und müssen die Dozenten handverlesen sein.

Ein ausgewogenes Jahresprogramm ist notwendig, um alle Aspekte der bildenden Kunst abzubilden. Von gegenständlicher Kunst zur Abstraktion, von Malerei, Bildhauerei, Zeichnung und Photographie sollte alles abgedeckt werden.

4. Was wünschen Sie der Kunstakademie für die Zukunft?

Ich wünsche der Akademie weiterhin viel Erfolg und ein gutes neues, interessantes Programm. Weiters wünsche ich der Akademie noch mehr Schüler und Dozenten aus Südtirol. Das Kloster mit seinen unzähligen Fortbildungsprogrammen, mit seiner Kultur und dem Umland gibt auch Begleitpersonen von Studierenden die Möglichkeit, ein paar Tage oder eine Woche hier zu verbringen.

Gerhard Almbauer, freischaffender Künstler, Gründer verschiedener Kunstakademien, Ausstellungen im In- und Ausland, verschiedene Publikationen