Wir kennen es alle: Wenn wir Schmerzen haben, berühren oder massieren wir ganz instinktiv die betroffene Stelle, um Beschwerden zu lindern oder zu entspannen. Dasselbe haben schon unsere Vorfahren gemacht. Massage ist eine der ältesten Heilmethoden, die wir Menschen kennen und anwenden, ob zur Entspannung oder als Therapie. Unser  Referent Andreas Stötter praktiziert und forscht seit Jahrzehnten zum Thema Massage und gibt uns einen Einblick.

BHN: Welche Bedeutung hat die Massage in der modernen Gesundheitsförderung?
Andreas Stötter: Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben Menschen sich gegenseitig massiert, um sich zu entspannen, Beschwerden zu lindern oder Krankheiten vorzubeugen. Massage hat eine jahrtausendealte Tradition und ist meiner Meinung nach heute aktueller denn je. Besonders in unserer heutigen schnelllebigen und stressbehaftenden Zeit, kann Massage einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten. Die Wirkungen einer Massage sind nicht nur jenen Menschen gut bekannt, die sich regelmäßig massieren lassen, sondern sie sind mittlerweile wissenschaftlich auch gut erforscht.

BHN: Von welchen Wirkungen sprichst du konkret?
Je nach Art der Massage wird die Durchblutung gefördert, das Immunsystem gestärkt, die Hormonregulation unterstützt, die Entgiftung gefördert. Massage kann zudem ausgleichend auf das Nervensystem wirken und Schmerzen lindern. Eine wichtige Rolle spielt aber vor allem auch die ganzheitlich entspannende Wirkung von Massage. Körperliche und psychische An- und Verspannungen können gelöst werden, Stress wird abgebaut, Körper und Seele kommen zur Ruhe.

BHN: Du hast eine Studie durchgeführt, die sich der Wirkung der Massage bei psychischen Erkrankungen widmet. Welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen?
Ich habe inzwischen zwei wissenschaftliche Studien in Zusammenarbeit mit dem psychiatrischen Krankenhaus Hall/Tirol durchgeführt, die die Wirkung der Massage in Kombination mit Achtsamkeitsschulung bei Menschen mit psychischen Beschwerden untersucht haben. Die Ergebnisse waren sehr positiv, besonders bei Menschen mit Depressionen und Angstbeschwerden. Die Erkenntnis war dabei unter anderem, dass diese Form der achtsamen Berührung tiefgreifende Veränderungen im Nervensystem und in der Psyche bewirken und eine zusätzliche Hilfestellung zu den herkömmlichen Therapiemaßnahmen sein können.

BHN: Kürzlich ist ein Buch mit dem Titel „Die berührungslose Gesellschaft“ von Elisabeth von Thadden erschienen. Findest du auch, dass unsere Gesellschaft berührungslos geworden ist?
Ich würde sagen, die Gesellschaft ist berührungsärmer geworden. Neben der Zunahme von Stress spielt dabei die allgegenwärtige Digitalisierung eine wesentliche Rolle. Wenn Menschen das sterile und kühle Touchpad ihres Smartphones lieber berühren als warme Haut, wenn Menschen mehr über Facebook, E-Mail, SMS und Co. kommunizieren als über unmittelbare körperliche Berührung, ist der Weg in eine berührungslose Gesellschaft vorgezeichnet.
Berührung ist ein natürlicher Instinkt, der nicht gelernt werden muss. Jede Mutter, die ihr Kind berührt, um es zu beruhigen und dabei ganz intuitiv massiert, weiß
das. Damit die erwähnten „berührungsfeindlichen Tendenzen“ unsere Zeit nicht überhandnehmen und diesen natürlichen Instinkt und das natürliche Berührungsbedürfnis nicht zu sehr zurückdrängen, ist meiner Meinung nach eine neue bewusste Berührungskultur notwendig. Massage sollte in jede „Hausapotheke“ gehören. Würden Menschen sich mehr gegenseitig massieren oder sich von ausgebildeten Masseuren massieren lassen, könnten verschiedenen stressbedingten Zivilisationsbeschwerden und so auch dieser gesellschaftlichen Berührungslosigkeit entgegengewirkt werden.

Andreas Stötter, Masseur, Leiter der “Yoni Academy” Innsbruck

Unsere Angebote:

Achtsamkeitsmassage® – Kurzlehrgang: Fr. 10.05. – So. 12.05, Fr. 31.05. – So. 02.06.2019, jeweils 9.00 – 17.00 Uhr;

Vitalmasseur/in – berufsbegleitender Lehrgang: Do. 19.09.2019 – Sa. 24.10.2020; Infoabend: Di. 13.06.2019, 19.00 Uhr im Bildungshaus Kloster Neustift