Geschichte

Bis in das Jahr 1466 lässt sich die Orgelgeschichte der Stiftsbasilika von Neustift zurückverfolgen: Ein gewisser Wolfgang Ruedorf war mit dem Bau von zwei Orgeln betraut worden. Wo diese zwei Orgeln in der Stiftskirche ihren Platz hatten, ist unbekannt. Im Jahre 1511 wurde vom Brixner Dombenefiziat Jakob Kefer ein weiteres Positiv geliefert. Bereits wenige Jahre später, um 1517, errichtete der Orgelbauer Bartlme Läntzl eine weitere Orgel (vermutlich als Schwalbennestorgel mit einer kleinen Empore an der Hochwand). 1557 ließ Propst Hieronymus Piesendorfer eine große Orgel über der Paradieskapelle (die heutige Vorhalle unter dem Turm) erbauen. Leider ist der Name dieses Orgelbauers heute nicht mehr bekannt. Im Jahre 1596 wurde ein weiteres Positiv vom Orgelbauer Zacharias Sagittarius angeschafft. In der ersten Hälfte der 1630er Jahre ließ Propst Markus Hauser für den täglichen Gebrauch der Chorherren vom Salzburger Hoforgelbauer Leopold Rotenburger zwei Orgeln an den Seiten des Chors erbauen. Eine dürfte auch ein Positiv besessen haben. 1636 waren diese zwei Orgeln vollendet. So standen in der Stiftskirche nun vier Orgeln: die 1517 erbaute (Schwalbennest-)Orgel an der linken Seitenwand, die 1557 erbaute große Orgel über der Paradieskapelle und die beiden neuen Orgeln. Neustift nahm somit eine große Sonderstellung ein – die Pfeilerorgeln des Salzburger Doms wurden erst in den 1640er Jahren erbaut.

In den darauffolgenden hundert Jahren wurden mehrere Reparaturen an den Orgeln vorgenommen. Die Barockisierung der Stiftskirche in den 1730er Jahren bedeutete das Ende dieser Orgeln – die beiden Seitenorgeln wurden abgebaut und verkauft.

Propst Christoph von Pach beauftragte den Laienbruder Gaudentius Köck mit dem Neubau zweier Orgeln auf dem Psallierchor. 1739 waren diese fertig gestellt.

Als diese Orgeln rund zwanzig Jahre später schon reparaturbedürftig waren, beauftragte das Kapitel Orgelbauer Alexander Holzhey mit dem Bau einer neuen Orgel. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Joseph Antoni Simnacher war er von 1759 bis 1761 in Neustift tätig. In dieser Zeit erhielt die Orgel ihr heutiges Aussehen. Typisch für diese Orgelanlage ist die Gegenüberstellung der beiden Hauptprospekte parallel zur Mittelachse, vom Hauptschiff aus fallen vor allem zwei kleinere Seitenprospekte ins Auge. Grund für diese Aufstellung dürfte wohl die Begleitung des alternierenden Psallierens des Chorgebets sein (eine ähnliche Orgelanlage befindet sich im Augustiner Chorherrenstift Vorau in der Steiermark). Es waren also zwei Orgeln von einem Spieltisch aus spielbar: eine „Epistelorgel“ mit 18 Registern und eine „Evangelienorgel“ mit 17 Registern zuzüglich vier Pedalregistern.

Ein Brand und mehrere schlechte Reparaturen bedeuteten das Ende dieser Orgel in den 1880er Jahren. Anton Behmann aus Vorarlberg baute 1889 eine neue Orgel mit 27 Registern auf mechanischen Kegelladen in das bestehende Gehäuse.

Anton Fuetsch aus Lienz nahm 1933 eine Reparatur vor. Die Firma Karl Reinisch’s Erben überarbeite die Disposition der Orgel 1952 im Sinne einer herberen Klangvorstellung der Zeit.

Nicht zuletzt aufgrund veränderter Klangvorstellungen einer Orgel, beschloss man um die Jahrtausendwende, einen Neubau vorzunehmen.

Die Metzler-Orgel in der Stiftskirche

2014 baute die Orgelfirma Metzler aus der Schweiz unter Verwendung der historischen Prospektpfeifen ein neues Werk in das alte Simnacher-Gehäuse von ca. 1760. Dieses rein mechanische Instrument hat 42 klingende Register und drei Transmissionen:

Disposition der Metzler-Orgel in der Stiftsbasilika

I. Hauptwerk (Epistelseite) C–a3

  1. Bourdon 8’
  2. Principal (Prospekt, alt) 8’
  3. Viola 8’
  4. Flauto traverso (ab f0) 8’
  5. Hohlflöte 8’
  6. Oktave 4’
  7. Spitzflöte 4’
  8. Quinte 2’
  9. Superoktave 2’
  10. Terz 1’
  11. Mixtur IV 1’
  12. Zimbel III ’
  13. Trompete 8’

 

II. Positiv (Evangelienseite) C–a3

  1. Principal (Prospekt, alt) 8’
  2. Gambe 8’
  3. Unda maris (ab c0) 8’
  4. Quintade 8’
  5. Rohrflöte 8’
  6. Oktave 4’
  7. Salicet 4’
  8. Holzflöte 4’
  9. Nasard 2’
  10. Superoktave 2’
  11. Waldflöte 2’
  12. Terz 1’
  13. Scharf IV 1’
  14. Fagott 16’
  15. Oboe 8’

 

III. Brustwerk (Evangelienseite) C–a3

  1. Gedackt 8’
  2. Rohrflöte 4’
  3. Doublette 2’
  4. Cornett II (ab f0) 2’
  5. Larigot 1’
  6. Sifflet 1’
  7. Krummhorn 8’

 

IV. Pedalwerk C–f1

  1. Principalbass (Epistelseite) 16’
  2. Subbass (Transmission) 16’
  3. Oktavbass (Epistelseite) 8’
  4. Viola (Transmission) 8’
  5. Bourdon (Transmission) 8’
  6. Choralbass (Epistelseite) 4’
  7. Rauschpfeife V (Epistelseite) 2’
  8. Posaune (Evangelienseite) 16’
  9. Trompete (Evangelienseite) 8’
  10. Trompete (Evangelienseite) 4’

 

Kopplungen

Pos – HW
BW – HW
HW – Ped
Pos – Ped
BW – Ped

 

Tremulanten

Kanaltremulant für HW
Kanaltremulant für Pos + BW

 

Transmissionen im Pedal

Viola 8’ von Viola 8’ I
Bourdon 8’ von Bourdon 16’ I
Subbaß 16’ von Bourdon 16’ I

 

Spielhilfen

Tritt Mixtur 1’ HW
Tritt Trompete 8’ HW
Tritt Posaune 16’ Ped
Tritt Trompete 8’ Ped

Disposition der Metzler-Orgel in der Stiftbasilika
I. Hauptwerk (Epistelseite)

  • 1. Bourdon 8’
  • 2. Principal (Prospekt, alt) 8’
  • 3. Viola 8’

Die Behmann-Orgel in der Margarethenkirche

1905 baute Anton Behmann aus Schwarzach (Vorarlberg) eine einmanualige pneumatische Orgel mit acht Registern, zwei Transmissionen und freistehendem Spieltisch. 2005 wurde sie durch den Orgelbauer Oswald Kaufmann restauriert. Dieses Instrument stellt ein Kleinod in der Südtiroler Orgellandschaft dar, ist es doch vom Klangideal der Spätromantik geprägt – siehe dazu die vielen 8’-Register mit Streichercharakter.

Disposition der Behmann-Orgel in der Margarethenkirche

Manual C–f 3
Principal 8’
Gedeckt 8’
Gamba 8’
Salicional 8’
Oktave 4’ (Transmission von Principal 8’)
Rohrflöte 4’
Salicet 4’ (Transmission von Salicional 8’)
Mixtur IV 2’

Pedal C–d1

Subbass 16’
Flötenbass 8’

Kopplungen (Wippschalter)

Man – Ped
Oktavkopplung (ausgebaut)

Spielhilfen (Druckknöpfe)

I = p
II = mf
III = Tutti
0 = Auslöser