Studientag zur Sonderausstellung „Zwischen Budapest und New York. Neustifts verlorene Schätze“ im Stiftsmuseum Neustift

Es gibt im historischen Tirol wohl keine andere Kulturstätte, deren einstiger Reichtum an Kunst- und Kulturgütern heute auf derart zahlreiche internationale Museen und Sammlungen verteilt ist wie das Augustiner Chorherrenstift Neustift. Im Rahmen der von der Euregio geförderten Sonderausstellung zu den Neustifter Kunstverlusten hat das Stiftsmuseum am 2. Oktober 2021 auch einen Studientag mit sechs Vorträgen organisiert.

Hausherr Prälat Eduard Fischnaller konnte im Kapitelsaal des Klosters zahlreiche Interessierte begrüßen, die teils auch aus Österreich und Deutschland zu der Veranstaltung angereist waren. Hanns-Paul Ties (Stiftsmuseum Neustift) spannte in seinem Einführungsvortrag einen Bogen von der Plünderung des Klosters durch die Bayern um 1807/11 bis zu den Kunstverkäufen ab dem späten 19. Jahrhundert. Dabei erinnerte er etwa an die seit der bayerischen Zeit verschollene Neustifter Sammlung naturkundlicher Kostbarkeiten sowie an die Kritik der Tiroler Verwaltungsspitze an den zahlreichen Kunstverkäufen in den Jahren um 1900.

Die zwei folgenden Vorträge waren dem weiteren Schicksal der von den Bayern nach München und Innsbruck verschleppten Neustifter Kulturgüter gewidmet. Wie der Chorherr Rüdiger Weinstrauch aufzeigte, bemühten sich gleich nach der Rückkehr Tirols zu Österreich im Jahr 1814 zwei Innsbrucker Beamte vergeblich um die Rückgabe der nach München gebrachten Tiroler Kunstwerke. Von den nach Innsbruck gelangten gedruckten Büchern, zu denen Ursula Stampfer (Bayerische Staatsbibliothek) referierte, wurde nach zähen Verhandlungen im Jahr 1833 zumindest ein kleiner Teil restituiert. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrten darüber hinaus knapp 100 Handschriften nach Neustift zurück.

Die Nachmittagsvorträge galten ausgewählten aus dem Kloster weggekommenen Kunstwerken. Ulrich Söding (Universität München) lieferte eine stilistische Einordnung mehrerer spätgotischer Skulpturen – allen voran der „hl. Margarethe“ im The Cloisters Museum in New York, die um 1480 von einem unbekannten Bildschnitzer aus dem Pacher-Kreis geschaffen wurde. Lukas Madersbacher (Universität Innsbruck) analysierte Gestaltung und Erzählstil von Marx Reichlichs Jakobus- und Stephanus-Altar von 1506 in der Münchner Alten Pinakothek.

Benjamin Sommer (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege) schließlich sprach über die Wiederentdeckung von zwei reich mit Reliefs geschmückten barocken Standkreuzen im Depot des Bayerischen Nationalmuseums.

Den Abschluss des Studientags bildete ein Rundgang durch die Sonderausstellung, in der „Neustifts verlorene Schätze“ in repräsentativer Auswahl in Kurzvideos und auf Schautafeln gezeigt werden.

Die Ausstellung läuft noch bis April 2022.