Wer von Kloster Neustift spricht, ist mit Superlativen schnell bei der Hand. Die Stiftsanlage stellt zweifelsohne eines der bedeutendsten architektonischen Ensembles in Südtirol dar. Bau- und Kunstwerke aus der Romanik, der Gotik, dem Barock bis hin zum Rokoko und Klassizismus zeugen von der abwechslungsreichen Geschichte Neustifts und ziehen alljährlich viele Besucher an.

Am Eingang des Stiftsbereiches zieht die sogenannte Engelsburg, eine zweigeschossige Torkapelle, die Besucher in ihren Bann. Sie stellt das bedeutendste Beispiel eines romanischen Zentralbaus in Tirol dar. Aus dem Ende des 12. Jahrhunderts stammt auch der massive romanische Glockenturm der Stiftskirche, der das Klosterensemble beherrscht. Das Innere der Kirche lässt vom einstigen mittelalterlichen Bau nicht mehr viel erahnen, vielmehr entpuppt es sich als ein Juwel des süddeutschen Rokoko. Ein weiteres Highlight stellt der Kreuzgang mit seinen spitzbogigen Öffnungen und gotischen Fresken dar. Besondere Erwähnung verdient die Darstellung der Parabel des reichen Prassers und des armen Lazarus, gemalt um 1480 von Friedrich Pacher, einem der bedeutendsten Tiroler Maler jener Zeit. Von der Südseite des Kreuzgangs betritt man heute das Stiftsmuseum, zu dessen Kunstschätzen zahlreiche Tafelbilder und Flügelaltäre von namhaften Künstlern aus dem Spätmittelalter zählen. Die mit eleganten Stuckaturen geschmückte Stiftsbibliothek stellt am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus einen der schönsten Profanräume des 18. Jahrhunderts in Südtirol dar.

Barockes Selbstbewusstsein, aber auch der hohe Stellenwert, den das Stift genoss, kommt beim sogenannten Wunderbrunnen aus dem Jahr 1669 in der Mitte des Stiftshofes zur Geltung: Nikolaus Schiel fügte den Sieben Weltwundern der Antike im achten Feld eine Darstellung des Stiftes hinzu.

Vor einigen Jahren wurde der Stiftsgarten nach historischem Vorbild restauriert und wieder für Besucher geöffnet.