Über den Bau der ersten Stiftskirche, die am Sonntag vor Allerheiligen 1142 geweiht worden sein soll, sind wir leider nicht unterrichtet; er ist durch den großen Brand im Jahr 1190 zerstört worden. Daraufhin ließ Propst Konrad II. von Rodank (1178–1200) die noch heute bestehende dreischiffige Kirche und den massiven, weithin sichtbaren Glockenturm erbauen. Die Weihe dieses beeindruckenden Gotteshauses erfolgte 1198. Der Turmbau war spätestens im Jahr 1218 abgeschlossen, als die Kapelle im ersten Obergeschoss den Heiligen Thomas von Canterbury und Augustinus von Bischof Otto von Freising geweiht wurde.

Gotisches MĂĽnster

1464 wurde an der Nordseite der Stiftskirche eine gotische Gnadenkapelle errichtet. Unter Propst Leonhard Pacher (1467–1483) sollte schließlich die Stiftskirche vollends gotisiert werden. Gebaut wurden jedoch nur der am 6. November 1485 feierlich geweihte Hochchor sowie die unmittelbar daran anschließende Sakristei. Deren Decke schmücken Medaillons, die die vier Kirchenväter samt Evangelistensymbolen zeigen und von Michael Pacher stammen. In den folgenden Jahren wurden laut im Stiftsarchiv erhalten gebliebenen Urkunden zahlreiche neue Altäre geweiht, deren Tafelbilder von den renommiertesten Künstlern der Zeit stammen und heute – zumindest zum Teil – in der Pinakothek bewundert werden können.

"Theatrum sacrum"

Von dieser einstigen prachtvollen Ausstattung mit gotischen Flügelaltären ist heute allerdings nichts mehr zu erkennen. Bereits 1695/96 wurde die Marienkapelle unter Propst Fortunat Troyer erneuert und mit Fresken von Kaspar Waldmann und Egidius Schor aus Innsbruck ausgestattet.

Die heutige Gestalt eines einheitlichen lichtdurchfluteten, farbenfrohen spätbarocken „theatrum sacrum“ erhielt die Stiftskirche durch die 1735 begonnene und 1744 großteils abgeschlossene Barockisierung. Den Baumeistern Josef Delai und Georg Philipp Appeller war es gelungen, eine „Harmonie von sieben Jahrhunderten und drei Baustilen“ (Max Schrott) zu schaffen. Die aufwändigen Stuckaturen stammen von Anton Gigl, dem wohl bedeutendsten Vertreter der Wessobrunner Schule. Die Fresken von Matthäus Günther (1705–1788) aus Augsburg zeigen die Verehrung der Gottesmutter Maria, Leben und Wirken des hl. Ordensvaters Augustinus und Szenen aus dem Leben herausragender Chorherren. Allen Bildern gemeinsam ist eine strenge Komposition und ikonografisch ein theologisch anspruchsvolles Programm, auffallend ist aber insbesondere die hohe Farbigkeit, der Jubel, das Heitere und Positive sowie die Detailfreude.

Restaurierungen

Eine erste groĂźe Restaurierung der Kirche erfolgte bereits Ende 19. Jahrhunderts, 1982 wurden die Malereien gereinigt, seither ist wieder die ursprĂĽngliche lichtvolle Ausstrahlung deutlich zu erkennen. In den vergangenen Jahren wurde die gesamte Kirche neu eingedeckt. 2015 wurde die Fassade des Glockenturms gereinigt.

"Basilica minor"

Die Stiftskirche wurde 1956 zur Basilika erhoben und erhielt den Ehrentitel einer basilica minor, der seit dem 18. Jahrhundert berĂĽhmten Wallfahrtskirchen und herausragenden Klosterkirchen zugesprochen wird.

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt (15. August)